Was ist ein Konflikt?

Ein Konflikt (von lateinisch confligere, „zusammentreffen, kämpfen“; PPP: conflictum) ist, wenn Interessen, Zielsetzungen oder Wertvorstellungen von Personen, gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen oder Staaten miteinander unvereinbar sind oder unvereinbar erscheinen.

Konfliktarten

Konflikteinteilung

Die folgende Einteilung, die an Schwarz (1997) angelehnt ist, gibt einen Überblick über die häufigsten Konfliktthemen, die zwischen Paaren, in Gruppen, Organisationen oder Institutionen vorkommen.

Handlungsabsichten

Die Handlungsabsichten sind die Basis eines Konflikts und definieren den Konflikttyp. Es gibt unterschiedliche Handlungsabsichten und damit auch unterschiedliche Konflikttypen:

  • unterschiedliche Ziele – Zielkonflikt
  • unterschiedliche Wege – Wegekonflikt
  • unterschiedliche Auffassung über Ressourcenverteilung – Verteilungskonflikt
  • unterschiedliche Auffassung über Beziehungen – Beziehungskonflikt:
    1. Antipathie
    2. unterschiedliche Rollendefinitionen
    3. unterschiedliche Beziehungserwartungen

Konfliktverlauf

Phase 1

Wahrnehmung von Konfliktsymptomen

  • bei der eigenen Person die negativen Gefühle
  • beim Gegenüber Anzeichen für negative Gefühle oder aber unerklärliche Verhaltensmuster

Phase 2

Konfliktanalyse: Schuldzuweisung

Schuld wird entweder der gegnerischen Partei/Person oder aber ihrer Umwelt zugewiesen. z.B. Unpünktlichkeit, mangelnden Willen

Grundsätzlich verzeihen wir umweltbedingte Ursachen eher, wir steigen dann mit einem geringeren Aggressionsniveau ein.

 

Starke Aggressions- oder Angst-Gefühle haben folgende Konsequenzen:

  • Ausschüttung von Stress-Hormonen
  • erhöhtes Aktivierungsniveau
  • Herabfahren der Denkfähigkeit durch Ausschüttung der Stress-Hormone

Phase 3

Einstellungen zum Konflikthandeln werden aktiv

Es gibt unterschiedliche Einstellungen zum Konflikthandeln:
 

  • Die kompetitive Einstellung: relativer Gewinn steht im Vordergrund
    >> (Pfeil) Gewinner - Verlierer - Strategie
  • Die kooperative Strategie: größtmöglicher gemeinsamer Nutzen steht im Vordergrund

(Pfeil) Gewinner - Gewinner- Strategie

  • Die individualistische Strategie: größtmöglicher Eigennutzen steht im Vordergrund:

(Pfeil) Gewinner - Strategie

Diese Einstellungen werden in früher Kindheit erworben.

Phase 4

Konflikthandeln

Verhaltensweisen sind stark von den vorherrschenden
Einstellungsmustern abhängig. Da diese sich im Laufe des Konflikts ändern können, ist auch das Konfliktverhalten sehr wandlungsfähig.  

Phase 5

Bewertung des Konfliktergebnis

Nach Abschluss des Konflikts wird eine kritische Rückschau auf das Konfliktergebnis gehalten.

  • Sind wir zufrieden, ist der Konflikt für uns erledigt und wir   haben eine positive Erfahrung in Bezug auf unser   Konflikthandeln gemacht.
  • Sind wir unzufrieden, dann haben wir mit unserem Gegner "noch   eine Rechnung offen", die oft im nächsten Konflikt beglichen wird. Zudem überdenken wir die Effizienz unseres Konflikthandelns.

Die menschlichen Emotionen

Begriff

Emotionen sind komplexe, in weiten Teilen genetisch bedingte Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben, um bestimmte Anpassungsprobleme zu lösen und dem Individuum ein schnelles und der Situation adäquates Handeln zu ermöglichen.

Auswirkungen von Emotionen

Emotionen können organische Veränderungen bewirken, wie erhöhten Hautwiderstand, Muskelverspannung, Verkrampfung, Erweiterung oder Verengung der Pupille, Zittern, Schweißausbruch, Magen- und Darmtätigkeit, schnelle Atmung und erhöhte Herzfrequenz. Die Atmung ist aber nicht nur für die Sauerstoffzufuhr überlebenswichtig, sondern wirkt sich nach neueren Untersuchungen auch auf die Gehirnfunktionen aus. Wenn sich Menschen in Angst oder Panik befinden, wird ihr Atemrhythmus schneller und man atmet mehr ein als im ruhigen Zustand. Diese angeborene Reaktion auf Angst kann in einer gefährlichen Situation von Vorteil sein, denn sie wirkt sich positiv auf die Hirnfunktion aus, indem man Signale, die auf Gefahr hindeuten, schneller erkennt.

Sechs Grundregeln für eine positive Konflikthandhabung (nach Kellner, 1999)

Vermeiden Sie, dass Ihr Gegner „sein Gesicht verliert“. Bleiben Sie immer beim aktuellen Thema. Wärmen Sie nicht alte Fehler des anderen auf. Beleidigen. Sie den anderen niemals persönlich.

Verzichten Sie darauf, andere Menschen ändern zu wollen. Nehmen Sie den anderen, wie er ist. Er wird ganz sicher so bleiben und sich auf keinen Fall von Ihnen – „seinem Gegner“ – umerziehen lassen. Sagen Sie dem anderen nicht, wie er denken oder fühlen müsste.

Wahren Sie Ihre Selbstachtung. Ziehen Sie sich rechtzeitig aus einer Auseinandersetzung zurück, wenn Sie spüren, dass Sie die Selbstbeherrschung verlieren. Antworten sie konsequent nicht auf persönliche Beleidigungen.

Vertreten Sie Ihren Standpunkt konsequent und strategisch klug. Sagen Sie klar und ohne Umschweife, was Sie wollen. Versuchen Sie immer zu überzeugen. Überreden, moralische Erpressung oder sonstiger Druck geben nur kurzfristige Erfolge.

Versetzen Sie sich immer in die Lage des anderen. Versuchen Sie immer genau zu verstehen, was im anderen gedanklich und emotional vorgeht. Lassen Sie dem anderen mehr Redezeit. Hören Sie zu, und beobachten Sie.

Reduzieren Sie die Gefahr von Folgekonflikten. Legen Sie einen geklärten Konflikt zu den Akten. Kommen Sie möglichst nicht mehr zum Thema zurück. Ziehen Sie möglichst keine Unbeteiligten in das Geschehen hinein.

Konflikt-Moderation

Die Moderation von Konflikten wirkt vor allem versachlichend.

1. Strukturierung 

Der Moderator ist verantwortlich für die Strukturierung. Er ist für den Gesprächsverlauf (Prozess), für das Zustandekommen eines Ergebnisses, nicht aber unmittelbar für den konkreten Inhalt zuständig. Der Moderator startet und steuert. In der Konfliktmoderation koordiniert er als neutraler, unparteiischer Mittler den Informationsaustausch zwischen den Parteien.

2. Oberhandsicherung

Die Oberhandsicherung des Moderators besteht darin, Regeln für das Verfahren einzuführen und auf dessen Einhaltung durch die Konfliktparteien zu achten.  Oberhandsicherung ist nicht Macht über jemanden, sondern Macht für etwas: Macht für die Aufrechterhaltung von Kontakt, Austausch und Verständnis. Der Moderator sollte jegliche Konkurrenzrituale gegenüber den Konfliktparteien vermeiden.

3. Hier & Jetzt und Blick nach vorn

Die aktuellen Fragen und Probleme haben mit Sicherheit Vorrang. Wenn eine Problemanalyse sinnvoll erscheint, sollte unbedingt vermieden werden, dass die Beteiligten "schmutzige Wäsche" waschen. Der Blick nach vorn ist entscheidend, weil sich neue Ideen und neue Regeln immer auf zukünftiges Zusammenarbeiten der Parteien beziehen sollen.

4. Widerstände müssen aufgeklärt werden

Widerstände werden oft nur als störend erlebt, sie dienen aber auch der Erhaltung des Gleichgewichts eines Einzelnen oder des Teams. Sie verdecken nicht nur, sondern sie schützen auch und geben Sicherheit. Widerstand kann nicht „gebrochen“ werden, ein geschickter Moderator macht ihn produktiv, indem er ihn ernst nimmt und hinterfragt. Der Moderator sollte vor allem kritische Einwände als Zeichen von Interesse an der Sache begreifen und positiv behandeln.

Angst ist der Auslöser von Panik

Wie zeigt sich die Angst?

  • Gefühl, Empfindung der qualvollen Beengung, des Hilflos-Ausgeliefert-Seins, der inneren Spannung
  • Fantasien (Gedanken) katastrophisierender Art
  • Körperlich
    • im Bereich des Bewegungsapparates Erstarrung (Blockierung) oder Angetrieben-Sein (Unruhe)
    • über das unwillkürliche Nervensystem (Pupillenerweiterung, blasse Gesichtshaut, Schweißausbruch, trockener Mund, Herzklopfen, Herzstolpern, schnelles Atmen, Kribbeln in den Gliedern, Zittern, weiche Knie, Schwindel, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Schlaflosigkeit)

Verschiedene Angstbegriffe

Angst

- als Überbegriff

- als ein unbestimmtes Bedrohungs- und Beklemmungsgefühl

Signalängste

  • weisen auf ein Problem hin
  • Realängste beziehen sich auf Bedrohung aus der Umwelt (Tiefgarage nachts, Straßenverkehr)
  • Vitalängste werden durch körperliche Störungen ausgelöst (Herzinfarkt, Blinddarmentzündung)

Existentielle Ängste

  • begleiten jeden unserer Reifungsschritte (Angst vor Selbstverlust in der Hingabe; Angst vor Einsamkeit in der Selbstwerdung; Angst vor Vergänglichkeit, vor dem Tod)

Gewissensängste

  • treten auf, wenn wir verinnerlichte Gebote oder Gesetze überschreiten

Furcht, Phobie

  • als eine auf etwas Bestimmtes gerichtete Angst

Ergebnisse aus der aktuellen Panikforschung

Ist es Panik einzelner Personen, in deren Folge ein dichtes Menschengedränge entsteht oder Panik, die sich in einem Gedränge erst entwickelt?

Welche besonderen Verhaltensweisen zeigen einzelne Menschen in Extremsituationen und welche Phänomene zeigen sich in Menschenmassen?

Ist es richtig, dass Menschenmengen in Notfallsituationen zwangsläufig in Panik geraten und sich dabei von der Panik Einzelner anstecken lassen?

Pro-soziales Verhalten in großen Menschenmengen bei Notfallsituationen

Es ist eine weit verbreitete Auffassung, dass Menschenmengen in Notfallsituationen zwangsläufig in Panik geraten und sich dabei von der Panik Einzelner anstecken lassen. Die Auswertung der tatsächlich aufgetretenen Reaktionen von Menschenmengen bei einer Vielzahl von retrospektiv untersuchten Ereignissen stützt diese Annahme nicht. Auch wenn starke Angst und Furcht empfunden werden, können sich Menschen weiterhin kontrolliert und vernünftig verhalten. So kann auch Flucht in Gefahrensituationen ein angemessenes, rationales Verhalten angesichts der Bedrohung sein. Egoistisches Verhalten wird selten beschrieben und tritt zumeist nur unter der Bedingung auf, dass es keine Möglichkeit zur Kooperation gibt.

Typische Panikumstände

Vier verschiedene Faktoren wurden identifiziert, die zusammenkommen müssen damit Panik auftritt:

1. Wahrnehmung einer unmittelbaren und ernsten Gefahr

2. begrenzte Anzahl an Fluchtwegen

3. Einschätzung, dass eine sofortige Flucht notwendig ist

4. Mangel an Informationen bezüglich der Situation

Entstehende Panik lässt sich an folgenden Anzeichen ablesen:

• Die Menschen versuchen, sich immer schneller zu bewegen.

• Berührungen und Körperkontakte werden zunehmend häufiger.

• Das Vorwärtskommen und Passieren von Engstellen und Hindernissen wird unkoordinierter.

• Vor Ausgängen bilden sich Anstauungen, alternative Routen oder Ausgänge werden übersehen oder ineffizient genutzt.

• Durch Stolpern, einzelner Hindernisse und ungleicher Bewegungsabläufe kommt es schließlich zu Verletzten und Toten.

Maßnahmen bei aufkommender Panik

Organisatorische Maßnahmen

  • Möglichkeit zur Verbreitung von Informationen und konkreten Handlungsanweisungen
  • situationsspezifische Leitsysteme, die je nach Verteilung der Menschenmassen und nach Gefahrenlage die Menschen zu den nutzbaren Ausgängen leiten
  • konkrete Appelle an die Hilfsbereitschaft der Menschen in der Menge

Physikalische Merkmale beachten

  • Breite der Ausgänge und Länge des Fluchtweges optimal gestalten
  • Einsatz ausgebildeter und erfahrener Evakuierungshelfer